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Newwelinge, so heißen besondere Kerzen (Abb.1), wie man sie
nur in Mainz kennt, wo sie auf den dortigen Friedhöfen zum
Gedenken der Toten angezündet werden. Im Mainzer Mundartwörterbuch
des Karl Schramm werden sie beschrieben als „kegelförmig
gerollte Wachsstränge“. Sie sind in bunten Farben und
so gar nicht dem Grau einer herbstlichen Allerheiligenstimmung entsprechend,
wo doch der Name vom Begriff Nebel oder nebelig abstammen soll.
Newwelinge haben Tradition. Anno 1347 bestimmte Richildis von Sobernheim
„dass von ihrem Nachlass zwanzig Pfund Wachs gekauft und zu
ihrem Gedenken in Wachskerzen und Nebelingen verbraucht werden sollen“.
Soweit besagtes Wörterbuch. Eine andere Deutung des sagenhaften
Namens lässt im Ursprung den Begriff der Nibelungen vermuten.
Immerhin haben sich die Newwelinge bis heute als fester Bestandteil
des Mainzer Allerheiligenfestes behaupten können. Dabei folgt
der Gebrauch eigenen Regeln. Man drehe die Wachsschnüre auf
und zünde die Dochte an (Abb.2) oder wickele die einzelne Schnüre
um ein Stöckchen (Abb.3) das in den Boden gesteckt und oft
noch mit einem Ahorn- oder Platanenblatt vor dem Wind geschützt
werde.
Heute gibt es Newwelinge nur an Allerheiligen und nur an den Friedhofseingängen
in Mainz , Gonsenheim und Mombach zu kaufen. Hergestellt werden
sie ebenfalls in Mainz und zwar bei unserem geschätzten Mitglied
Franz-Hubertus Tusar, Inhaber des traditionellen Familienbetriebes
Lorenz Werner Wwe. Für 1000 Newellinge werden 3000 Meter Wachsschnüre
auf einer riesigen Ziehmaschine produziert und dann von Hand um
Holzkegel gewickelt. Den Vertrieb übernimmt seit Großmutters
Zeiten die Mainzer Firma Krohn, wobei auch schon Newwelinge nach
Übersee an ehemalige „Meenzer“ als Erinnerung an
die alte Heimat zum Versand kamen.
Im Oktober d. J. brachte das regionale Fernsehen eine ausführlichen
Reportage über die Herkunft und Herstellung der Newwelinge
und über unseren Kollegen Tusar an seiner Ziehmaschine. Das
unterstreicht die Bedeutung der Kerze als Symbol von Brauchtum und
Tradition auch heute noch in unserem rastlosen Zeitalter von Intercity
und Computer.
pb
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